Anmerkung: Zuerst veröffentlicht 2012

Des Grases grüne Farbe. Es gab sie nie. Es gibt sie doch. Jene Wünsche, die ich damals zu unterdrücken suchte, mich nicht genug für ihre Erfüllung durchgesetzt zu haben erdrückt mich nun. Scheitern, so hallt es von den Wänden, heißt seine Ziele nicht erreicht zu haben. Doch was, wenn die Ziele von einst schon lange nur noch vage Vorstellungen einer Zukunft sind, das Jetzt die Existenz von Zielen bedroht, da es sich selbst genügt. Der Moment ist hinreichend, Bestrebungen nach einem Weiterschreiten unerwünscht. Und doch gibt es des Grases grüne Farbe; und zwar auf diesem Ufer. Bloß sind es meine Augen die sie nicht zu erfassen vermögen. Farbenblind der Gewohnheit wegen. In einer monochromen Welt lässt es sich besser leben, einfacher. Alles ist schöner, weil es klarer ist. Grautöne sind leichter zu ertragen als brennendes Orange, verklärtes Blau, erdrückendes Gelb. Zustände kommen zwar zustande, können aber nicht ewig fortwähren; Momente bleiben Eindrücke, was bleibt zuletzt? Gegen jede Form von Verewigung sträube ich mich, doch wenn ich mich richtig besinne, nach ihr suche ich. Das Paradox des Daseins, es bleibt auch mir nicht verborgen und doch verdränge ich seine Existenz. Sucht nicht jeder Mensch die Unannehmlichkeiten zu verbergen, sich in einer Maskerade vor ihnen zu schützen? Jene, die sich eifrig den Konflikten des Alltags mit äußerlicher Bravour stellen, sie tun dies nur um vor sich selbst zu verbergen, dass sie nichts sehnlicher wünschen als die Probleme zu verdrängen, sie einzumauern und hinter undurchdringlichen Ziegelsteinen verrotten zu lassen. Ihr Engagement ist nicht weniger Maskerade als das Fehlen an Engagement der Anderen.

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