Starr lag er dort im Schnee. Seine Finger krümmten sich. Die Haut war spröde und trocken, an seinem Oberlippenbart formten sich Eiszäpfchen. Er lag nun schon eine Weile dort.

Der Schnee hatte ihn nicht davon abgehalten nach seiner Hündin zu suchen. Er hatte gepfiffen und gerufen nach ihr. Sie war nicht gekommen, war wie von der jungen, kalten Nacht verschlungen. Als ob gerade in diesen ersten Stunden der Finsternis diese besonders hungrig sei und das Schwarz schwärzer noch als zu vorangeschrittener Stunde. Seine Schuhe, längst schon nicht mehr wasserdicht, waren immer tiefer in den Schnee hineingesunken. Bald schon war die Kraft, die er für einen Schritt brauchte, in keinem Verhältnis mehr zu dem Fortschritt, den er machte.

Nun lag er dort und ihm konnten keine Tränen kommen. Wirr jagten grundverschiedene Gedanken und Erinnerungen durch seinen Kopf. Wirr war auch sein Blick. Die Augen zeigten keine Rast, obschon der Dunkelheit.

Es war nicht seine Hündin, die ihn vor die Tür brachte. Es war nicht die Suche nach einem Tier, wie treu es auch gewesen sei, die ihn antrieb immer weiter voranzuschreiten. Anfangs mag er sich noch gesagt haben, er müsse seine Hündin finden. Bald schon hatte der Gedanke jedoch gewonnen, dass man ihm dies nicht vorwerfen könne. Helden starben immer wenn sie etwas taten, nie wenn sie rasteten. Man würde ihm nicht nachsagen können, auch das Sterben hätte er auf die bequeme Art getan. Sein Abgang von dieser Erde sei das Spiegelbild seiner trostlosen Existenz. Nein, er würde voranschreiten, wie manisch, und nicht aufhören, bis sein Herz nicht mehr mitmachte. Die ständige Bewegung, die Kälte, ganz egal was ihm den Garaus machen würde. Er hätte bis zum Schluss etwas getan. Ja, er hätte seine Hündin nicht aufgeben wollen. Die Treue, die er von ihr erfuhr, hätte er ihr wiedergegeben. Das würden die Leute sich erzählen bei seinem Begräbnis. Die Unscheinbarkeit seines Lebens hätte er durch einen Tod mittels Tatendrang wieder gutgemacht.

Starr lag er nun im Schnee. Alles um ihn herum wäre weiß gewesen, doch sah er nur tiefstes Schwarz. Er sehnte sich nach dem Blick aus seinem Fenster, den er noch am Vormittag gehabt hatte. Wie friedlich hatte ihm die Schneelandschaft geschienen. Tränen versuchten sich in seinen Augen zu formen, da leckte ihn seine Hündin. Er hatte sie gefunden. Er könnte wieder zurückkehren, sich vor dem Feuer wärmen und schlafen gehen. Niemand würde jemals etwas von dieser Nacht erfahren. Die Leute würden an ihm vorbeigehen und ihm nicht mehr Aufmerksamkeit schenken als sonst. Also blieb er liegen. Starr, aus lauter Angst vor der Starre seines Lebens.

 

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